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Musik & Texte
   
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Olten als Endstation oder Startpunkt?

Mario Bolliger, Sänger der Oltner Band Luv und Liedermacher Christian Schenker reden mit Martin Schaffner über das Musikgeschäft aus der Perspektive einer Kleinstadt.

Musik und Geld machen

Ausgangspunkt Olten

Der Verstehzwang

Mundart als Gefängnis?

Gibt es in Olten eine Musikszene?

Musik und Geld machen

Martin: Mario und Christian, ihr beide widmet euch seit Jahren mit mehr oder weniger kommerziellen Absichten der Musik, habt aber auch noch eure Berufe. Wie definiert ihr euch im Moment?

Mario: Ich hab zwei wesentliche Rollen: Zum einen bin ich Familienvater, muss arbeiten, Geld nach Hause bringen, und dann ist da diese persönliche Seite, irgendetwas, das stichelt und sagt: Du musst auch noch etwas anderes machen, du hast etwas, was du in musikalischer Form ausdrücken möchtest. Dabei kann man aber nicht davon ausgehen, dass man mit letzterem eine Familie ernähren kann. Es ist ja auch nicht gesagt, dass es überhaupt so sein muss.

Martin: Das berühmte „Von-der-Musik-leben“ ist für dich also nicht ein Muss?

Mario: Nein, das ist kein Muss. Sicher ist der Wunsch da, noch mehr Musik machen zu können. Je mehr finanziell hereinkommt, desto mehr Zeit kann ich dafür investieren, das ist klar. Der Tag hat leider nur 24 Stunden. Ich würde gerne mehr nehmen, aber das ist nun mal die Grenze.

Christian: Wenn ich schaue, wovon ich im Moment lebe, dann bin ich Musiker. Ich unterrichte drei Tage pro Woche Ukulele. Den Rest verdiene ich mit CD-Verkäufen und Konzertgagen. Ich bezeichne mich aber immer noch gerne als Kindergärtner, weil es eine Ausbildung ist, die doch interessant klingt. Obwohl ich im Moment nicht als Kindergärtner arbeite, ist mir der Beruf immer noch sehr nahe.

Mario: Mit unserer A-Capelle-Formation (Crashed Tickets, später Soda) sind wir viel herumgekommen. Ich glaube, es wäre sogar möglich gewesen, von den Konzertgagen zu leben. Aber dieser Musikstil war nicht das, was ich wollte. Ich will nicht einfach Musik machen, damit ich sagen kann, ich mache Musik. Ich will wirklich das machen können, was ich will. Mein Herz verlangt nach Pop- und Rockmusik.

Christian: Ich machte anfänglich ja nicht Musik, um Geld damit zu verdienen. Die erste Kassette habe ich 1996 nicht zum Verkaufen gemacht, sondern damit ich meine Lieder nicht vergesse. Ich wurde damals von einem Verlag eingeladen. Die wollten meine Musik haben, fanden allerdings, dass alles nochmals überarbeitet werden müsste. Ich fand aber: Wozu eine teure Überarbeitung von etwas, das ich bereits 1000 Mal verkauft habe? Ein zweiter Punkt war die Forderung, die Lieder auf Züritüütsch zu singen, weil man diesen Dialekt angeblich am besten verstehen würde. Die wollten die Lieder auch auf Hochdeutsch haben, worauf ich die Lieder übersetzt habe. Das wäre schon interessant für mich gewesen. Würden die Lieder in Deutschland so gut verkauft wie hier im Kanton Solothurn, brauchte ich nicht mehr arbeiten zu gehen. Aber ich wollte auf den Vertrag nicht einsteigen. Wenn eine Plattenfirma für dich Werbung macht, dann wollen die auch etwas von dir. Wenn du einmal weisst, wieviel du ohne eine Plattenfirma erreichen kannst, dann bist du zurückhaltend. Lieber unabhängig bleiben und die Musik machen, die du willst, als das, was du selber erreicht hast, aufs Spiel setzen. Bei Säx ist es anders. Mit einer Band für Erwachsene gehst du ohne Plattenfirma in der Masse der Mundartbands unter.